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Vom Beginn der Demontage bis …


  … zur betriebsbereiten Anlage vergehen wenige Tage.
Bilder: suissetec

 
 

Energieeffizient sanieren - Ein Fallbeispiel

Energie sparen schont die Umwelt und das eigene Portemonnaie. In

älteren Häusern reduziert eine neue Heizung den Energieverbrauch um einen Viertel! Wer zusätzlich die Gebäudehülle modernisiert, spart noch mehr Geld - und reduziert den Schadstoffausstoss drastisch.


Die Aussicht ist traumhaft: Ungehindert schweift der Blick auf die Kapellbrücke, die Seebucht und das Bergpanorama rund um den Vierwaldstättersee. Doch das Dreifamilienhaus an dieser attraktiven Adresse ist in die Jahre gekommen. Nach über 60 Jahren ist es nun erneuerungsbedürftig. Der Heizkessel ist von 1982 und die Hausfassade ist in all den Jahren noch nie renoviert worden. Einzig die Fenster hat der Hausbesitzer in den letzten 20 Jahren ausgetauscht.

 

Boiler und Heizung ersetzen

Begonnen haben die aktuellen Probleme mit einem Leck am Boiler. Zudem hat die Abgaskontrolle der Erdgasheizung einen negativen Bescheid ergeben: Allzu lange dürfe die Anlage nicht mehr betrieben werden. Und auch die Gasrechnung ist so hoch, dass Handlungsbedarf besteht: Pro Jahr verbrauchen das Heizen der drei Wohnteile und das Erwärmen des Brauchwassers über 8‘000 Kubikmeter Erdgas. (Oder mit dem Energieinhalt von Heizöl berechnet: Das dreistöckige Wohnhaus ist ein 20-Liter-Haus: Es verbraucht 20 Liter Heizöl pro Quadratmeter Wohnfläche.) Das macht es zwar zu einem typischen Vertreter des bestehenden Gebäudeparks in der Schweiz. Aber ein derart hoher Energieverbrauch muss nicht sein! Wie dies das Haushaltsbudget eines Grundeigentümers belastet, ist schnell ausgewiesen. Und auch, was das für die Umwelt heisst: Rund 26 Tonnen CO2 stösst die Heizung des dreistöckigen Objekts im Jahr aus. Neue energieeffiziente Gebäude benötigen nur einen Sechstel der Energie, die das 60-jährige Dreifamilienhauses frisst.

 

«Dem Klima zuliebe»

Nun will Heinz Meier*, der Hausbesitzer, handeln. Ein erstes Gespräch mit der Energieberatungsstelle der Stadt Luzern bestätigt ihn darin, die Erneuerung umfassend an die Hand zu nehmen. «Ein Halbieren der Treibhausgasmenge liegt auf jeden Fall drin», bestätigt auch Benjamin Buchter von der beigezogenen Heizungsinstallationsfirma Gallati AG. Er hat das Sparpotenzial mit dem suissetec CO2-Spiegel ermittelt. «Der Energieverbrauch des 1946 erbauten Mehrfamilienhauses lässt sich deutlich reduzieren.»


Diese Möglichkeiten sollen ausgeschöpft werden, vieles ist bereits ins Rollen gekommen. In einem ersten Schritt hat der Hausbesitzer den Heizungsinstallateur mit dem Dringendsten beauftragt: Die Wärmeerzeugung und der Boiler sind zu ersetzen. Der Energieträger der neuen Heizung ist wie bisher Erdgas geblieben - das ganze Quartier ist bestens erschlossen. Neu aber ist ein effizienteres System eingesetzt worden: ein kondensierender Gaskessel, der einen höheren Wirkungsgrad bei der Verbrennung aufweist. Der Jahresnutzungsgrad  beträgt 95 statt wie bisher 70 Prozent. Auch der Leistungsbedarf der neuen Heizanlage konnte verringert werden. Gesamthaft verbraucht die neue Heizung über einen Viertel weniger Energie: statt wie bisher 8‘000 m3 nur noch 6‘000 m3  Erdgas im Jahr.

 

Gebäudehülle kommt auch noch dran

Jedoch: Hausbesitzer Meier will mehr. Die Gebäudehülle soll in den nächsten Jahren energetisch erneuert werden. Dazu will er die Bandbreite, was möglich und wirtschaftlich tragbar ist, im Detail kennen lernen. Für den nächsten Sanierungsschritt kann das heissen, dass die Fenster durch neuere dichtere Modelle ersetzt und die Fassade besser gedämmt werden. Dieses etappierte Vorgehen hat er mit dem Installateur vorgängig abgesprochen. Dadurch ist das neue Heizungssystem bereits für die Zeit nach der Sanierung der Gebäudehülle ausgelegt worden. Das ist wichtig, denn zusätzliche bauliche Massnahmen an der Gebäudehülle können den Energieverbrauch nochmals um gegen 50 Prozent senken. Die Leistung einer angemessen dimensionierten Heizanlage ist dem anzupassen. Ein modulierender Brenner, wie er im konkreten Fall eingesetzt wird, besitzt den Vorteil, die Wärme trotz geringerer Heizlast immer noch effizient bereitzustellen.

Dieser Hausbesitzer ist sicher auf dem richtigen Weg. Gemäss einer Empfehlung des Bundesamtes für Energie BFE kann ein Gebäude rundum derart erneuert werden, dass der Energieverbrauch mindestens halbiert wird: Hier liegt ein grosses Sparpotenzial!

 

Keller und Estrich nicht vergessen!

Wichtig ist, daran zu denken, dass auch die Kellerdecke und der Estrichboden wärmegedämmt werden. Rund ein Viertel der Wärme entschwindet in einem Haus nämlich entweder gegen oben oder nach unten. Um dies zu verhindern, müssen unbeheizte Räume von beheizten besser getrennt werden. Dieses Ziel erreicht man mit einer 14 bis 20 Zentimeter dicken Dämmschicht. Eine umfassende Modernisierung von Altbauten kann durchaus mit einem MINERGIE®-Label zertifiziert werden: Aus einem 20-Liter- würde so ein 6-Liter-Haus. Dazu trägt - nebst mächtigeren Dämmschichten - auch der Einbau einer automatischen Lüftungsanlage bei. Was durchaus Sinn macht: Rund 10 Prozent Wärme geht verloren, weil die Kippfenster auch im Winter oft tagelang offen stehen.


Unabhängig davon, in welchem Umfang das Mehrfamilienhaus hoch über Luzern in den nächsten Jahren energetisch erneuert wird: Der Eigentümer und die beiden Mietparteien werden bald noch mehr Gründe haben, den freien Blick über die Stadt und ins Bergpanorama zu geniessen: Der massiv gesenkte Energieverbrauch zeigt sich für sie in den tieferen jährlichen Heizrechnungen und in der persönlichen Klimabilanz .

*Name abgeändert, richtiger Name der Redaktion bekannt